Kurzer Abriss der Geschichte des Landkreises Lindau
Nur sehr wenige Funde oder Bodendenkmäler sind aus dem Landkreis
Lindau bekannt, wenn auch nachgewiesenermaßen schon während
der älteren Eisenzeit Menschen hier ansässig waren. Aus der
Zeit der Römer, die die ersten vier christlichen Jahrhunderte am
See lebten, haben sich ebenfalls Reste von Straßen in unserem
Gebiet erhalten. Nach den Römern kamen die Alemannen. Erste Siedlungen
lassen sich urkundlich im 8. Jahrhundert nachweisen, etwa Wasserburg
784, Ober- und Unterreitnau 805, Lindenberg 857, Opfenbach 872 und Weiler
894. Herrschaftsmäßig gehörte das heutige obere Landkreisgebiet
zum Alpgau, das untere größtenteils zum Argengau, der urkundlich
erstmals 770 erwähnt wird.
Einer der wichtigsten Herrschaftsträger weit und breit war das
Kloster St. Gallen, das vor allem in der Zeit zwischen 750 und 800 seinen
Besitz enorm zu mehren wußte. Es hatte Grundeigentum in Wasserburg,
Weiler, Lindenberg und Scheidegg. Sein Abstieg im 13. und 14. Jahrhundert
führte zu Herrschaftsumbildungen. So mancher Ministeriale des Klosters
stieg damals in den niederen Adel auf, wie etwa die Herren von Weiler
und Altlaubenberg. 1419 wird erstmals der Herrschaftssitz Altenburg
genannt, der 1571, zusammen mit weiterem heutigem Landkreisgebiet von
St. Gallen, an das Erzhaus Österreich fiel. Am Ende des Mittelalters
starben auch mehrere Adelsfamilien aus, hier etwa die Herren von Ellhofen
und Heimenhofen. Und schließlich schob sich die freie Reichsstadt
Lindau ins offene Land vor, zum Teil über das noch heute bestehende
Heilig-Geist-Spital. Damals entstanden die inneren und äußeren
Gerichte der Stadt. Auch das Kloster Mehrerau (Bregenz) konnte manchen
Besitz im heutigen Landkreisgebiet an sich ziehen. Um 1090 verzeichnet
das Güterverzeichnis dieses Klosters 1.249 Besitzungen in Niederstaufen,
Grünenbach, Röthenbach und Ebratshofen. Auch eine kirchliche
Organisation im heutigen Landkreisgebiet ist früh erkennbar. Das
Gebiet gehörte zum Archediakonat Allgäu.
Von großer Bedeutung für das heutige Landkreisgebiet war
das Haus Montfort. Allzu häufige Teilungen innerhalb der Familie
gereichten ihr freilich zum Nachteil. Wichtig ist der Teilungsvertag
vom Jahre 1534. Die damals gezogene Grenze an der Leiblach deckt sich
mit der heutigen deutsch-österreichischen Landesgrenze. Das von
Montfortern bereits 1386 erworbene Wasserburg fiel 1592 an den Grafen
Fugger von Kirchberg-Weißenhorn.
Von den einzelnen kleineren Grundbesitzern seien genannt die Herren
von Weiler-Altenburg, die auch Meierherren der Kellhöfe Weiler
und Scheidegg waren. 1451 erwarb das Haus Habsburg den sogenannten "Alten
Teil" der Herrschaft Bregenz mit der im heutigen Landkreis liegenden
Herrschaft Hohenegg. 1570/71 verkaufte St. Gallen die Herrschaft Altenburg
als letzten Rest seines Besitzes im Landkreis ebenfalls an das Haus
Habsburg. Erwähnenswert ist, daß in diesem Gebiet bereits
1748 die Leibeigenschaft aufgehoben wurde. Schon 1713 hatten auch die
Gerichte Simmerberg und Grünenbach darauf verzichtet. Mit dem Erwerb
von Wasserburg 1755/56 von den Montfortern endete deren Regierung in
unserem Gebiet zu Gunsten Österreichs, das nun bis zum Jahre 1805
ungefähr die Hälfte des heutigen Landkreisgebietes besaß.
Unter all die um das Jahr 1800 bestehenden Herrschaftsfestlegungen
setzte Napoleon einen Schlußstrich. 1802 wurde die alte Reichsfreiherrlichkeit
Lindaus, die schon seit dem beginnenden 13. Jahrhundert bestand, aufgehoben,
das tausendjährige Lindauer Damenstift säkularisiert. Nach
kurzem Zwischenspiel wurde das heutige Landkreisgebiet aufgrund des
Preßburger Friedens (1805) zum größten Teil 1806 bayerisch.
1810 kamen schließlich im Rahmen von weiteren Besitzbegleichungen
Wohmbrechts und Maria Thann zum Landgericht Lindau.
Wir sind in unserem Jahrhundert angelangt. 1909 zählte das Gebiet
des Bezirkamtes, das aus den Amtsgerichten Lindau und Weiler bestand,
310 Quadratkilometer Bodenfläche und annähernd 35.000 Einwohner,
die sich auf 28 Gemeinden mit Ortschaften verteilten.
Nach dem 1. Weltkrieg wurde aus dem Amtsgericht Weiler das Amtsgericht
Weiler-Lindenberg. 1938 schließlich wurde das Bezirksamt Lindau
in Landkreis Lindau umbenannt. Aus dem Bezirksamtmann wurde nun der
Landrat.
Nach dem 2. Weltkrieg, von 1946 bis 1955, nahm der Landkreis eine Sonderstellung
ein, denn er gehörte als einziger in Bayern zur französischen
Zone. An der Spitze dieses selbständigen Landes stand der Kreispräsident.
Die Selbständigkeit drückte sich auch in der Gründung
von neuen Gerichten und Ämtern aus. In der beratenden Versammlung
für Württemberg wurde der Kreis Lindau durch drei Delegierte
vertreten. Die Lindauer Spielbank ist eine Gründung dieser Jahre.
Am 1. September 1955 wurde der selbständige Kreis Lindau wieder
in Bayern eingegliedert.
Die Landkreisreform im Jahre 1972 hat die bis dahin zum Kreis Sonthofen
gehörende Gemeinde Stiefenhofen zum Lindauer Landkreis geschlagen.
1976 wurde Reitnau nach Lindau eingemeindet.
Heute hat der Landkreis eine Gesamtfläche von 323 qkm. Die Einwohnerzahl
des gesamten Kreises beträgt 76.071
Heutige Gemeinden Städte und Gemeinden im Landkreis Lindau
Bodolz Gestratz Grünenbach Heimenkirch Hergatz Hergensweiler
Lindau Lindenberg Maierhöfen Nonnenhorn Oberreute Opfenbach Röthenbach
Scheidegg Sigmarszell Stiefenhofen Wasserburg Weiler-Simmerberg Weißensberg